Schottland 2013 1.0

Gelegentlich muss man sich als Bedrocker von bestandenen Offroadabendteuern und der nötigen Tätigkeit um eben diese zu finanzieren erholen, so habe ich mich dieses Jahr entschlossen mit einem Freund Schottland zu bereisen. Der Erholung willen diesmal ohne Volvo sondern mit einem kleinen gemieteten Campingmobil.
In den ersten 1 ½ Tagen erkunden wir Edinburgh per pedes, beziehungsweise sind wir auf der Flucht vor der allgegenwärtigen Dudelsackmusik, die es wahlweise live von kernigen Schotten im Kilt vorgetragen oder aus den diversen Souvenirshops vom Band gibt. “Scotland the brave” ist zwar ein schönes Lied, aber einmal im Jahr hören reicht für meine Ohren völlig aus. So kommt es, das wir uns überwiegend in diversen Pubs aufhalten und die lokalen Biersorten testen.. Die Geschmacksrichtungen reichen von fischig, wie es sich für eine Hafenstadt gehört bis … naja englisch eben. Einfach mal Pils geht scheinbar auf dem europäischen Subkontinent nicht, dafür ist es immer schön teuer, aber es ist ja quasi urlaub, also Augen zu und durch.

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gewagte Installationen

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noch gewagtere Installationen

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Taverne Edinburgh

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Durchgang Edinburgh

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Detail Kirche Edinburgh

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Die Stunde der Wahrheit nähert sich am dritten Tag. Wir begeben uns mit dem Bus ins ½ Stunde entfernte Bo´ness um den Camper abzuholen und versuchen uns an den Stationsschildern zu orientieren. Die meisten heißen “bus stop“ und sind nicht in unserem Plan verzeichnet. Der Fahrer hat uns ein Ticket bis zu einem gewissen Snap verkauft… da auch diese Station nicht auf unserem Plan steht, hab ich auf einmal Musik aus den frühen 90ern im Ohr.. dort will ich nicht hin und wir steigen bei der ersten Gelegenheit im Ort, zum Glück richtig aus.
Der Vermieter ist schnell gefunden und nach einer kurzen Einführung in die Finessen des Fahrzeugs, folgt der erste Schock… die haben uns ein absolutes Montagsmodell, das total hirnrissig zusammengebaut ist vermietet. Resigniert steige ich auf der rechten Seite ein und breche mir beim Gang einlegen fast das Handgelenk und an der ersten richtigen Kreuzung stellt sich eine essentielle Frage: „Wer hat hier eigentlich Vorfahrt?? “ .. ich lasse das Schicksal entscheiden.. Nach einer Weile denke ich, das ich mich an die Geisterfahrt gewöhnt habe und komme an den ersten zweispurigen Kreisverkehr. Ich versuche meinem Drang gegen den Uhrzeigersinn einzufahren, zu widerstehen und lasse mich mit der Masse treiben. Die Taktik geht auf und wir nähern uns nach einem kurzen Lebensmitteleinkauf und einem Strandbesuch unserem ersten historischen Ziel.

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Dunnottar Castle ist eine kleine postkartentaugliche Burg auf einer steilen Klippe im Meer, nachdem wir den in Schottland üblichen Wegzoll entrichtet haben, erkunden wir die alten Gemäuer, danach biegen wir kurz vor Aberdeen ab und es geht weiter in Richtung Dufftown/ Aberlour.

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Fasslager bei Aberlour

Wir kommen wie geplant auf einem netten Campingplatz an und machen einen Spaziergang nach Aberlour, weil es für eine Destilleriebesichtigung in Dufftown mittlerweile zu spät ist. Das wird direkt am nächsten Morgen nachgeholt, aber unser erster Versuch bei Balvenie schlägt fehl. Wir scheitern an einem Schild an dem es für Besucher ohne Voranmeldung nicht weitergeht.

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Balvenie Castle

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Das trübt unser Laune allerdings nicht, da Glenfiddich direkt daneben ist und wir dort von hübschen jungen Damen empfangen werden. Zuerst bekommen wir einen synchronisierten Film über die Firmengeschichte vorgeführt, danach wird das Publikum aufgeteilt und wir landen um haaresbreite in der „falschen“ Gruppe. Ich hätte einiges gegeben um in die ersten Gruppe zu kommen, aber wir sind ohne Frühstück aufgebrochen und ich habe keine Kraft, um mir einen Platz in der ersten Gruppe zu erkämpfen. Niedergeschlagen sehe ich meine favorisierte Touristenführerin am Horizont entschwinden. Aber meineTrauer währt nur kurz, weil ich in der nächsten Stunde den Herstellungsprozess von Whisky erklärt bekomme.

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wichtige Lieferung für Team Bedrock

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Wir dürfen in diversen Bottichen und Fässern herum riechen und zum Schluss sogar noch 3 (drei) Sorten aus Glenfiddichs Sortiment probieren, immer noch ungefrühstückt wohlgemerkt, aber drei Schnaps sind ja quasi auch schon mal was… mit etwas schlechtem Gewissen suchen wir uns einen Pub um an eine warme Mahlzeit zu kommen und ich lerne auch gleich etwas über schottische Speisekarten dazu… nämlich, das steak`n`àle pie kein Steak ist, sondern eher ne Art Gulasch mit Blätterteig oben drauf.

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glückliches Steak

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überlaufener sommerlicher Strand, Lossiemouth

Nach einem kurzen Zwischenstopp am Strand von Lossiemouth geht es an Inverness vorbei und dann über einige Brücken vorbei an der Dalmore- und dann an der Glenmorangiedestille nach Dunbar auf einen Campingplatz direkt in den Dünen. Der Platzwart schaut mitleidig auf das kleine Auto und bezweifelt die Campingtauglichkeit, das Wetter hält sich noch bis kurz nach unserem abendlichen Strandspaziergang. Am nächsten Morgen entschließen wir uns den Tag doch nicht mit einer Führung durch eine der Destillerien in der Nähe zu beginnen und durchqueren die Highlands bis zur Westküste. Die Landschaft wird immer menschenleerer, steile Berge sind im Nebel/ Regenwolken nur schemenhaft zu erkennen. Durch einsame Täler geht es über singletrackroads, das sind einspurige Strassen mit Ausweichbuchten im 50-100m Abstand. Der Norden Schottlands scheint ausnahmslos Schafen vorbehalten zu sein, egal wie steil die Berge sind, es ziehen sich endlos Weidezäune durch die karge Landschaft und die wollenen Teufel lungern überall herum, gerne auch getarnt direkt hinter Büschen direkt am Wegrand um ahnungslose Autofahrer zu erschrecken. An der Westküste nimmt die Vegetation langsam wieder zu, es gibt lange Alleen mit riesigen Rhododendronbüschen ,vereinzelt gibt es sogar beeindruckende Mammutbäume. Natürlich nicht ganz so riesig wie in Kalifornien, aber ich will mal nicht meckern.

Am Abend finden wir einen kleinen Campingplatz um dann bei einem abendlichen Spaziergang einen kostenlosen öffentlichen Parkplatz mit sanitären Anlagen direkt nebenan zu entdecken. Das örtliche Hotel erfüllt unsere kulinarischen Vorstellungen nicht und wir begnügen uns darauf mit Instantnudelsuppe. Nach einer regnerischen und kühlen Nacht geht es wieder ohne Frühstück in Richtung Skye. Dort habe ich einige kleine Wanderungen geplant, aber das Wetter ist nicht ganz auf unserer Seite. Ich habe in einer Karte einen Rundwanderweg am „Old man of storr“ gefunden. Bei unserer Ankunft dort ist es schon so stürmisch, das man sich bequem gegen den Wind lehnen kann. Kurz darauf beginnt es wieder zu regen und der eingeschlagene Weg erweist sich als falsch, es wird zunehmend sumpfiger und ich flute nach ein paar unbedachten Schritten meine Wanderstiefel. Wir irren noch eine Weile im Regen über eine Schafweide auf der Suche nach einem Weg umher. Als wir komplett durchnässt am Camper ankommen haben wir freien Blick auf das Schild das den gesuchten Wanderweg anzeigt, da mittlerweile einige Fahrzeuge den Parkplatz verlassen haben. Nach und nach treffen auch andere Leidensgenossen wieder am Parkplatz ein. Das schlechte Wetter hat sich zwar kurz darauf verzogen aber mangels Ausrüstung fällt diese Wanderung aus und wir fahren weiter Richtung Norden.
Am Kilt Rock, einem beeindruckenden Basaltmassiv, das senkrecht aus dem Meer steigt, machen wir einen kurzen Zwischenstopp. Die Basaltsäulen entlocken dem stürmischen Wind ein Pfeifgeräusch.

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Kilt Rock… im Hintergrund

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Langsam macht sich Hunger bemerkbar und wir queren die Insel Richtung Westen ohne ein Restaurant zu finden. Durch das schroffe Quirrang Massiv, in dem ich eigentlich auch eine kleine Wanderung geplant hatte, geht es wieder über schmale Strassen und dann an der Westküste Richtung Süden. Immer noch hungrig beschließen wir in den größten Ort, Portree zurück zu fahren und finden endlich ein Restaurant. Obwohl die Gerichte sehr lecker sind, lässt die Quantität zu wünschen übrig. Die Beilagen schaffen es mit vereinten Kräften kaum den Boden des Tellers abzudecken, man könnte fast meinen eine schottische Version des sächsischen Blümchenkaffees vor sich zu haben. Nachdem unser Hunger nach diesem Häppchen erst so richtig an der Laune zehrt, gibt es auf dem Campingplatz noch mal eine Nudelsuppe als Nachschlag.
Es ist immer noch regnerisch und der Campingplatz ist unsicher, eine marodierende Schaffamilie treibt ihr Unwesen. Der frisch gemähte Rasen auf dem Campingplatz ist offensichtlich verlockender als das Grün nebenan auf der Weide.

 

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Sommer auf Skye, Talisker

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Da das Wetter am nächsten Morgen nicht besser ist und die meisten unserer Sachen noch feucht sind, entschließen wir uns wieder für eine Indooraktivität und lassen uns in Talisker die Destillerie zeigen. Wir haben vorher natürlich wieder nichts gegessen und so tut der rauchige Probewhisky als Frühstücksersatz ganz gut. Kurz bevor wir die Insel Skye verlassen finden wir einen Imbiss und probieren verschiedene Versionen fish & chips.
Frisch gestärkt geht es weiter zur nächsten Touristenattraktion, dem Eilean Donan Castle, einer kleine sehr bekannten Burg auf einer Insel, die wie ich bei der Besichtigung feststellen muss in den Jahren von 1913 bis 1932 komplett neu aufgebaut wurde. Es ist zwar alles sehr mittelalterlich rustikal anzusehen, grimmige Ahnen blicken von großen Gemälden in der Banketthalle aber mir schwingt in den Gemäuern eine zu große Portion Historismus mit.

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Vorbei am Ben Navis, dem höchste Berg Schottlands durchqueren wir die Westhighlands in Richtung Oban. Gegen Abend finden wir einen Campingplatz am Loch Linnhe direkt am Strand, da wir keinem Club angehören und auch kein tolles großes Wohnmobil haben, werden wir am letzten Ende des Platzes einquartiert, da müssen die Gänge Richtung Sanitärtrakt gut vorausgeplant werden. Der Tag beginnt trüb und da es bis Oban nicht weit ist, beschließen wir uns dort noch eine letzte kleine Führung durch die örtliche Destillerie zu genehmigen.

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Die liegt mitten in der Stadt und verfügt über keinerlei Parkmöglichkeiten und so muss ich mich rückwärts aus der Sackgasse in den Linksverkehr einfädeln., was mit viel gehupe letztendlich auch gelingt. Die Tour unterscheidet sich nicht erheblich von den anderen, nur unsere Führerin spricht einen ausgeprägten Dialekt. In etwa so wie wenn jemand mit oberlausitzer und erzgebirgischen Wurzeln versucht englisch zu reden. Wir dürfen zwischendurch schon einmal von einem nicht ganz fertig gereiften Whisky probieren, wiedereinmal ohne Frühstück angetreten, ist der in Fassstärke servierte Whisky ziemlich heftig. Trotzdem ist das Ganze sehr informativ und wir verlassen nach dem finalen Probewhisky die Destillerie und suchen schnellstmöglich einen Pub auf um endlich etwas zu essen.

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Da dies auch unser letzter ganzer Tag mit dem Mietwagen ist, machen wir uns langsam an die Rückreise, das Wetter ist ohnehin nicht besonders einladend und so fällt der Abschied von den Highlands nicht so schwer. Nach einer regnerischen Nacht bringen wir den Camper zurück und werden freundlicherweise noch zur nächsten Bahnstation in Richtung Edinburgh gebracht. Unser Hotel liegt etwas zu weit vom Stadtzentrum entfernt, als das wir Lust auf lange Bahn oder Busfahrten haben und so versumpfen wir die letzte Nacht im Hotel.
Mein Fazit der Reise ist, das Schottland viel abwechslungsreiche Landschaft zu bieten hat vom Sandstrand wie an der Ostsee bis zu alpin anmutendem Gelände ist alles dabei. Wenn man bereit ist an jedem alten Gemäuer Eintritt zu bezahlen, gibt es in der Hinsicht auch viel zu entdecken. Wettermäßig sollte man sich darauf einstellen das man kurze Hosen und Sonnenschutz getrost zu Hause lassen kann.

 


Kommentare

Schottland 2013 1.0 — 2 Kommentare

  1. Ich weeß ni, was Du hast? Es ist seit 10 Tagen brüllend heiß auf den britischen Inseln…
    Sehr gute Zusammenfassung. Nur Deine Polizeikontrolle kurz vorm Rückflug fehlt. Wer Polizistinnen anglotzt, macht sich verdächtig.

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