Teddybären auf dem Weg durch die Karpaten

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Seit einigen Jahren ist das Team Bedrock bei verschiedenen Offroadevents, Rallye und Trophys in Europa unterwegs. Das Team besteht aus ca. 10 Leuten, die aus Mittel und Norddeutschland stammen, Handwerker, Kreative und Schreibtischtäter sind bunt gemischt. Die Altersgrenze ist fließend vom jung dynamischen Heißsporn bis zum Silverager ist alles dabei und mittlerweile hat sogar eine Frau Zugang zum Team gefunden. Vorbei sind die guten alten Tage, in denen wir als Herrenreisegruppe auf der Pomerania in Polen unterwegs waren. Die genaue Zahl lässt sich nicht direkt festlegen, da je nach Veranstaltung unterschiedlich viele Leute teilnehmen oder hier und da ein kleiner Wechsel bei den verschleißenden Beifahrern stattfindet. Allgemein verbindet uns die Vorliebe für ein sehr spezielles Fahrzeug, bzw seine Varianten. Der Volvo C303 stammt aus den düsteren Zeiten des kalten Krieges und wurde ursprünglich fürs Schwedische Militär gebaut, findet aber mittlerweile auch immer noch zivile Anwendung. Heute sind einige Fahrzeuge in privater Hand und wurden teilweise mit erheblichem Aufwand restauriert und auf ebendiese Rallyes vorbereitet.

Der Sicherheit wegen wurden sehr stabile Dachgepäckträger verbaut und den hohen Kraftstoffverbräuchen im Gelände gezollt, wurden größere Tanks installiert.

2012 und 2013 haben wir an der Superkarpata Trophy teilgenommen, die zwischen den großen und kleinen Motorsportveranstaltungen, auf Grund ihres Konzeptes eine besondere Rolle einnimmt. Das große Motto der Veranstaltung lautet: „ find your own track…“ was so viel bedeutet, das es für die Teilnehmer einen gemeinsamen Startpunkt und ein Ziel gibt, das in einer bestimmten Zeit erreicht werden muss. Die Strecke dazwischen ist aber nicht genau definiert, es gibt einen sogenannten Korridor, in dem man sich bewegen darf und nach seinen eigenen Wegen sucht, die man im Rahmen seiner Möglichkeiten bewältigen kann. Man kann diesen Korridor natürlich auch verlassen, dafür kassiert man aber nach einem festgelegten System Strafkilometer, die am Ende der Veranstaltung ausgewertet werden.

In den dünn besiedelten Karpaten ist dem Wort Weg allerdings nicht unbedingt zu viel Bedeutung beizumessen. Da in dem Korridor erfahrungsgemäß 98% der echten Wege und festen Straßen, tückischerweise quer zu der Richtung verlaufen, in der man sich eigentlich bewegen will, kann alles vom steinigen Bachbett bis zum  V- förmigen Holzrückepfad zum eigenen Weg werden.

Diese Zutaten bescheren den Teilnehmern seit 10 Jahren eine einzigartiges Abendteuer mit Expeditionscharakter, bei der man anders als bei Rallyes, bei denen es nur auf Geschwindigkeit ankommt, auch in Kontakt mit der Bevölkerung kommen kann. Um dem martialischen Auftritt unserer Volvos etwas den Schrecken zu nehmen, hatten wir zumindest für die Kleinen, einige Geschenke dabei. Wobei es in den abgelegenen Bergregionen schwierig ist überhaupt auf Menschen zu treffen.

Dieses Jahr gab es Taschen und Bären von der Kroschke Stiftung.

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Einer der Bären wurde direkt von Anfang an als Teammaskottchen adoptiert und während der (Tor-)Tour unter anderem mit einem standesgemäßen Sitzmöbel ausgestattet, er durfte auf einem reißenden Gebirgsfluss Floß fahren und war natürlich auch bei den täglichen Aufgaben immer eine große Hilfe.

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Der Bär war bei allen kniffligen Aufgaben haut- bzw fellnah dabei. Manchmal überwachte er einem Hohlweg harten Kontakt mit einem Baumstumpf hatte oder er überwachte die korrekte Durchführung der Sonderaufgaben. Bei der wir am letzten Tag der ersten Etappe eine Waage basteln mussten um Erde abzuwiegen, die später mit einem selbst gebauten Katapult so weit wie möglich geschossen werden sollte, um eine Zeitgutschrift zu bekommen. Klingt komisch hat aber wahnsinnig Spaß gemacht.

Die Brüder und Schwestern unseres Maskottchens, die in unseren riesigen Laderäumen mitreisten, wurden freudig von rumänischen Kindern entgegengenommen, die entweder besonders mutig oder deren Fluchtreflexe nicht besonders ausgeprägt waren. Ich erinnere mich noch an den guten alten Leitsatz “ nimm nichts von Fremden“ , der irgendwie noch eine andere Dimension bekommt, wenn man sich vorstellt, das 3 Militärfahrzeuge vom ehemaligen Klassenfeind durch ein abgeschiedenes Bergdorf rollen und dann plötzlich eine Tür aufgeht und man mit Teddybären überfallen wird.

 

 

 

 

 

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Die Leute dort sind Fremden gegenüber aufgeschlossener und lassen einen sehr oft vergessen, das man eigentlich bei einem Autorennen unterwegs ist.

Wie zum Beispiel eine Familie, die uns in der zweiten Etappe an unserem Übernachtungsplatz besucht hat. Wir hatten uns in der Nähe eines Dorfes zwischen einem Bach und einer Straße häuslich eingerichtet, sitzen nach unserem Abendessen gemütlich am Feuer, als oben an der Straße ein Auto hält. Eine kleine Familie steigt aus und kommt auf uns zu und begrüßt uns mit selbst gebackenem Kuchen und anderen selbst hergestellten Spezialitäten. Wir haben uns für die Freundlichkeit mit gemeinsamen Gruppenbildern und einer Tasche für den Sohn bedankt. Damit war die Geschichte aber noch nicht zu Ende, nach einer Weile erschien die Familie noch einmal. Wahrscheinlich haben sie gedacht das die einzige Frau im Team nicht ausreichend beschenkt wurde und so wurde Steffi mit allen möglichen Sorten Honig und Sirup etc beschenkt. Wir saßen eine ganze Weile fassungslos im Wald…

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Solche Begegnungen sind natürlich nicht die Regel bei der Superkarpata, machen aber trotzdem den besonderen Reiz der Veranstaltung aus. Es ist eben keins der Rennen wo der Kontrahent von hinten mit Hupe und Lichtsignalen so lange nötigt, bis man vor lauter Angst angerempelt zu werden beiseite fährt. Meistens freut man sich eher, wenn man nach ein paar Tagen einsam im Wald auf ein anderes Team trifft und Gelegenheit für ein kleines Schwätzchen hat. Und zu erzählen gab es besonders dieses Jahr bei der zehnjährigen Jubiläumsausgabe besonders viel, weil die Rallye mit fast 10 Tagen im Gelände nahezu doppelt so lange gedauert hat, wie sonst üblich.

Während dieser Tage kommt jeder im Team irgendwann an die Grenzen seiner Belastbarkeit. In erster Linie natürlich die Fahrer, die immer wieder in schwierigen Fahrsituationen einen kühlen Kopf bewahren müssen. Sei es bei haarsträubend steilen Bergauf- oder Bergabfahrten, auf sehr schlammig glatten Wegen, oder beim balancieren in extremer Schräglage über eine Bergkuppe ohne richtige Sicherungsmöglichkeiten… in solchen Situationen ist man voll dabei und alle sind aufmerksam, aber die kleinen Unglücke passieren irgendwie immer, wenn man sich sicher fühlt. Zum Beispiel wenn man ein Tor im Weidezaun öffnen will, der Fahrer aber nicht mehr anhalten kann, weil der Volvo anfängt wie ein Schlitten ins Tal zu rutschen und letztlich erst von einer Reihe Birken gebremst wird. Oder wie dieses Jahr wenn man einen harmlosen schlammigen Weg bergauf und auf der (im Nachhinein) falschen Seite an einem Stein vorbei will.  Dabei wurde fast die Verpflegung der ganzen Kompanie aufs Spiel gesetzt, weil der Fahrer dabei unser Küchenmobil umgekippt hat. Zum Glück ist dabei keinem etwas passiert und die Bergung ging auch zügig von Statten, das nicht zu viel wertvolle Fahrzeit verloren ging. Die meisten Schwierigkeiten verursacht eigentlich die Größe der Fahrzeuge. Waldwege werden in Rumänien leider nicht nach Volvorastermaß angelegt und so haben wir oft Probleme zügig um die Kurven zu kommen. Meistens sind dafür mehrere Einweiser mit Funkgeräten im Wald positioniert, was gleich zum nächsten Problem führt weil natürlich alle auf der gleichen Frequenz funken und Disziplin in Stresssituationen rar gesät ist. In einem besonders schlimmen Fall war in so einer Spitzkehre noch ein Absatz von etwa einem Meter Höhe der die Volvos allzu leicht zum Kippen bewegen könnte, wie so oft wurde das volle Sicherungsprogramm abgespult… die vorausfahrenden Fahrzeuge werden jeweils durch den Hintermann gesichert und ziehen sich mit der eigenen Seilwinde in die gewünschte Spur. Jeder im Team kennt seinen Platz und es gibt nur selten Raufhändel um Zuständigkeiten. Gelegentlich werden schwierige Passagen auch mit Hilfe anderer Teams bezwungen beziehungsweise wir halfen zum Beispiel dem Team Greenhorn einen Berg hinauf, weil der Vorderachsantrieb an einem ihrer Fahrzeuge ausgefallen ist.  Das ist wieder ein Punkt, der die Superkarpata von anderen Veranstaltungen unterscheidet. Es geht zwar letztendlich darum das Rennen für sich zu entscheiden, aber Hilfsbereitschaft wird sehr groß geschrieben. Wir waren dieses Jahr offensichtlich ausreichend hilfsbereit und haben im Anschluss an die eigentliche Siegerehrung den sogenannten Team- Spirit Award gewonnen. Der Award wird ausschließlich über ein Punktesystem von den Teilnehmern vergeben, ist mit einer freien Teilnahme an der Veranstaltung im nächsten Jahr dotiert und ist von der eigentlichen Platzierung unabhängig. Dieses Jahr konnten wir unter über 30 startenden Teams den 16. Platz erreichen.

Die Verleihung des Team Spirit Awards ist insofern eine große Ehre für uns, weil wir erst zum zweiten Mal an der Superkarpata teilgenommen haben. Wir kennen zwar schon einige der Teilnehmer von anderen Veranstaltungen, aber von so vielen Leuten diese Auszeichnung zu bekommen ist schon überwältigend.

Leider hat sich die Wartezeit bis zum nächsten Start weiter nach hinten verschoben, absolut unnötig da die Zeit eh schon viel zu lang ist. Aber der Veranstalter  hat sich ein Jahr Auszeit erbeten und so müssen wir uns fügen. So bleibt unserem Team diesmal etwas mehr Zeit die automobilen Dinosaurier herzurichten zB könnten mehr Karpatenbärenbehältnisse eingerichtet werden um noch mehr rumänische Kinder noch effizienter eine kleine Freude machen zu können.

Ausführlichere Berichte zu unseren bestrittenen Abenteuern lassen sich übrigens auf …

www.teambedrock.de  nachlesen.

frische Bärenspuren 15m neben Camp

Ursus arctos

 


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